Praxis neuzeitlicher Restaurierung und Konservierung

Die Konservierung, Sammlungsbetreuung und restauratorische Pflege der Original- und Gipsabguss-Sammlung zählen zu den wichtigen Aufgaben des Antikenmuseums der Universität Leipzig. Bei der Anwendung aktueller Methoden der Konservierung und Restaurierung werden häufig archäologische Fragestellungen berührt. So ist die Geschichte der Restaurierung antiker Keramik in den letzten Jahrzehnten immer mehr in den Mittelpunkt von Diskussionen und Forschungen gerückt. Im historisch gewachsenen Bestand des Leipziger Antikenmuseums befinden sich zahlreiche Beispiele, an denen sich die Restaurierungsproblematik von der Antike über das 19. bis zum frühen 20. Jahrhundert sowohl in Fallbeispielen als auch unter übergreifenden Aspekten darstellen lässt. 

Athena mit dem Haupt der Gorgo Medusa auf einem apulisch rotfigurigen Glockenkrater (Inv. T 83). Während der Neurestaurierung von 1994 wurde die Übermalung ihres Schmuckes aus dem frühen 19. Jahrhundert abgenommen.

Grundlage einer zeitgemäßen Praxis der Konservierung und Restaurierung ist die interdisziplinäre Zusammenarbeit mit Vertretern naturwissenschaftlicher Institutionen in und außerhalb der Universität. An der Schnittstelle zwischen Geistes- und Naturwissenschaften geben Ergebnisse z.B. der Materialanalytik Auskunft über das verwendete Material und die Herstellungstechnik, woraus sich für Einzelobjekte oft neue Erkenntnisse gewinnen lassen oder, wie bei der Beschichtung von Gipsabgüssen, Strategien ihrer Restaurierung abgeleitet werden können. Angesichts des großen Aufwands und wissenschaftlicher Fortschritte in Restaurierungstechniken und Materialforschung wird immer dringlicher, den Zustand vor und nach der Restaurierung umfassend zu dokumentieren und wenigstens für die bedeutendsten archäologischen Denkmäler in einer interaktiven Bilddatenbank allgemein zugänglich zu machen.

Attisch rotfigurige Kylix des Makron-Malers Inv. T 3367, um 480 v. Chr.
Die Aufnahme in digitaler Luminiszenzradiographie macht die an weißen Punkten kenntlichen Bohrungen für eine antike Reparatur sichtbar. Aufnahme: Prof. Dr. Frank Schmidt, Universitätsklinik Leipzig

Literatur:

  • A. Fendt, Archäologie und Restaurierung. Die Skulpturenergänzungen in der Berliner Antikensammlung des 19. Jahrhunderts (Berlin, Boston 2012) = H. Böhme u.a. (Hrsg.), Transformationen der Antike, Bd. 22. Die Dissertation wurde an der Universität Bielefeld und Universität Leipzig von Uwe Walter und Hans-Ulrich Cain betreut.
  • H.-U. Cain - M. Pfanner, Marmor in Rom – Verfall und die Aura der Originale, mit einem Beitrag zur Marmorbestimmung des Titusbogens von G. Lehrberger, in: Deutsche Stratigraphische Kommission (Hrsg.), Denkmalgesteine – Festband zum 80. Geburtstag von Prof. Dr. W.-D. Grimm. Schriftenreihe der Deutschen Gesellschaft für Geowissenschaften 59, 2008, 226-248.
  • H.-P. Müller, Griechische Keramik am Antikenmuseum der Universität Leipzig: Sammlungs- und Restaurierungspolitik am Beispiel einer universitären Lehr- und Studiensammlung, in: M. Bentz - U. Kästner (Hrsg.), Konservieren oder Restaurieren. Die Restaurierung griechischer Vasen von der Antike bis heute (München 2007) 69-75 = Beihefte zu Corpus Vasorum Antiquorum; 3.
  • S. Pfisterer-Haas, Der Leipziger Euphronios-Stamnos. Fragmente eines athenischen Meisters und ein Lehrstück der Restaurierung, in: ebenda S. 147-150.
  • P. Cain - M. Pfanner,  Der falsche Augustus. Katalog der Sonderausstellung vom 27.6. - 31.8.2000, hg. v. H.-U. Cain (Leipzig 2000).
  • S. Pfisterer-Haas, Wenn der Topf aber nun ein Loch hat... Restaurierung griechischer Keramik in Antike und Neuzeit, Begleitheft zur Sonderausstellung Leipzig 1998 (Leipzig 1998).

(H.-P. Müller, M. Pfanner)