Klassische Archäologie an der Universität Leipzig (18.-20. Jahrhundert)

Blick in den Oberlichtsaal des Antikenmuseums mit den Abgüssen hellenistischer und römischer Bildwerke, um 1900.

Ausgehend von Johann Friedrich Christ (1701-1756) wurde 1735 in Leipzig das Studium der Klassischen Archäologie an deutschsprachigen Universitäten begründet und damit eine der Voraussetzungen für ihre weitere Entwicklung zu einer modernen Wissenschaft geschaffen. Entscheidende Impulse für die weitere Entwicklung der Archäologie an der Leipziger Universität gab die Gründung einer archäologischen Lehr- und Studiensammlung im Jahre 1840. Ihre umfangreichen Bestände an griechischen, etruskischen und römischen Originalwerken sowie Gipsabgüssen antiker Skulpturen verdankt sie namhaften Archäologen wie Wilhelm Adolf Becker (1796-1846), Otto Jahn (1813-1869), Johannes Overbeck (1826-1895) und Franz Studniczka (1860-1929), die seit 1840 den systematischen Ausbau der Sammlung vorangetrieben und sie zu einer der bedeutendsten an deutschsprachigen Universitäten ausgebaut hatten.

Die Sammlungsgeschichte spiegelt nicht nur Entwicklung des Faches Klassische Archäologie an der Universität Leipzig wieder. Zu Beginn waren es vor allem Gelehrte, die die Sammlung systematisch erweiterten. Seit dem späten 19. Jahrhundert war der weitere Aufbau ohne die enge Verflechtung von Universität und Öffentlichkeit nicht denkbar gewesen. Durch ihr großzügiges Engagement und namhafte Spenden bereicherte die Leipziger Bürgerschaft den Bestand um bedeutende Stück. Aus einer zunächst vornehmlich akademischen Zwecken dienenden Sammlung wurde so ein bis heute lebendiges Museum für breite Bevölkerungsschichten. In neueren Studien sollen Geschichte und Entwicklung der Klassischen Archäologie an der Leipziger Universität als Instituts-, Sammlungs- und Personengeschichte untersucht und dabei auch die kulturelle Wechselwirkung mit der Region einbezogen werden.

Literatur:

  • H.-P. Müller, Das Akademische Gypsmuseum. Zur Geschichte einer vergessenen Skulpturensammlung, Leipziger Blätter Heft 27, 1995, 56-59.
  • H.-P. Müller, Johann Friedrich Christ. Zum 250. Todestag am 2. September 2006, in: Jubiläen 2006. Personen. Ereignisse, Herausgegeben vom Rektor der Universität Leipzig (Leipzig 2006) 109-114.
  • H.-P. Müller, Zur Geschichte der Leipziger Vasensammlung, in: CVA Leipzig (3) 13-19.
  • H.-P. Müller, Griechische Keramik am Antikenmuseum der Universität Leipzig: Sammlungs- und Restaurierungspolitik am Beispiel einer universitären Lehr- und Studiensammlung, in: M. Bentz - U. Kästner (Hrsg.), Konservieren oder Restaurieren. Die Restaurierung griechischer Vasen von der Antike bis heute (München 2007) 69-75 (= Beihefte zu Corpus Vasorum Antiquorum; 3).
  • H.-P. Müller, Klassische Archäologie, in: U. von Hehl - U. John - M. Rudersdorf (Hrsg.), Geschichte der Universität Leipzig 1409-2009 Bd. 4,1 (Leipzig 2009) 197-219.
  • H.-U. Cain (Hrsg.), AUREA AETAS. Die Blütezeit des Leipziger Antikenmuseums zu Beginn des 20. Jahrhunderts, Begleitheft zu einer Sonderausstellung des Antikenmuseums anlässlich des 600-jährigen Jubiläums der Universität Leipzig 2009 (Leipzig 2009) 64 S. mit 59 meist farb. Abb.
  • H.-P. Müller, Christ, Johann Friedrich, in: H. Cancik – M. Landfester – H. Schneider (Hrsg.), Der Neue Pauly. Supplemente, Band 6. Geschichte der Altertumswissenschaften. Biographisches Lexikon (Stuttgart 2012)  Sp. 224–228.
  • H.-U. Cain, Overbeck, Johannes, ebenda Sp. 913–916.
  • H.-U. Cain, Studniczka, Franz, ebenda Sp. 1202–1204.

(H.-P. Müller)