Digitale Rekonstruktion der 'Beißergruppe'

In Kooperation mit dem British Museum und dem Deutschen Archäologischen Institut, Abteilung Rom

Die 'Beißergruppe' gehört zu den wenig erforschten Stücken hellenistischer Genreplastik. Die Gruppe, die 1678 in einer römischen Villa bei Grottaferrata in Latium gefunden wurde und sich heute im British Museum in London befindet, zeigt zwei Knaben, die beim Knöchelspiel in Streit geraten sind. Ein Knabe beißt seinen Gegenspieler, von dem sich nur die Hand mit einem Astragal erhalten hat, in den Arm. Für den Gebissenen hat bisher nur A. Herrmann (1979) eine Rekonstruktion in Form einer Zeichnung vorgelegt, die, wie die Autopsie der Gruppe in London ergeben hat, jedoch nicht zutrifft. Daher wird basierend auf einem im Structure from Motion (SfM) Verfahren angefertigten Modell eine dreidimensionale digitale Rekonstruktion der Gruppe erstellt. Mittels dieser digitalen Rekonstruktion können verschiedene Rekonstruktionsvarianten ausprobiert, Ergänzungen markiert und Fragen nach dem Betrachterstandpunkt, den Ansichtsseiten und möglichen verschiedenen Lesarten beim Umschreiten der Gruppe untersucht werden. In dem Projekt geht es daher auch darum, den wissenschaftlichen Nutzen entsprechender digitaler Rekonstruktionen (über die reine Visualisierung hinaus) zu erforschen. Zudem wird der Statuentypus in die größere Tradition des Motivs der knöchel- bzw. nüssespielenden Kinder und streitenden Knaben eingeordnet, das in der Vasenmalerei, auf Grabstelen, als Statuetten aus Stein oder Terrakotta, in der Wandmalerei, auf Weihreliefs und Sarkophagen belegt ist.

Kartharina Meinecke